Abgeschnitten – Sebastian Fitzeks neuer Thrilller

Von Anja Rottner

Ein Treffen an der Würstchenbude bringt dieses Buch hervor. Die Grundidee stammt von Prof. Dr. Michael Tsokos, denn er machte sich einst Gedanken über die Situation was wäre, wenn Helgoland mal wieder durch das Wetter abgeschnitten ist und Informationen von einer Leiche benötigt werden. Und hier setzte Sebastian Fitzek an. Ein Kollege von der Polizei wäre hier ja langweilig. So entstand die Basis über Linda, die als fachfremde Person einen Leichnam öffnen soll.

Tsokos ist Rechtsmediziner und hat an der Berliner Charité die Position der Institutsleitung. Er hat bereits 2 Bücher mit seinen spektakulärsten Fällen, die er selbst auf dem Tisch hatte, veröffentlicht. Weitere Bücher dieses Duos sind zudem nicht ausgeschlossen, denn bei Markus Lanz hatte Tsokos die Möglichkeit in Betracht gezogen.

Kein Kommentar ist nötig um aus den beiden abgedruckten Artikeln, auf den ersten Seiten des Buches, die Kritik am Rechtssystem zu vermitteln. Lediglich die anberaumte Strafzeit ist hervorgehoben. Diese Situation soll ins Gedächtnis gerufen werden und nicht unbeachtet bleiben, was bei mir auf jeden Fall erfolgreich war.

Auf Paul Herzfeld hat es jemand abgesehen, denn eine Frauenleiche wurde so zugerichtet, dass sie auf Herzfelds Seziertisch landen muss. Sein Peiniger schickt ihn auf eine grausige Schnitzeljagd indem Hinweise in Leichen versteckt werden, welche Herzfeld in einen Ausnahmezustand versetzten. Denn der erste Hinweis, die Telefonnummer, verbindet ihn mit einer Mailbox, die von seiner Tochter besprochen wurde. Der zweite Erzählstrang führt nach Helgoland zu Linda einer Comiczeichnerin, die von Ihrem Ex-Freund entstellt und geflüchtet war. Diese beiden Geschichten laufen nebeneinander, bis sie sich kreuzen und einen Teil des Weges gemeinsam gehen.

Nicht nur Kleinigkeiten werden durch Beschreibungen oder Vergleiche als Bilder förmlich in den Kopf des Lesers geschossen und lassen das gelesene noch intensiver wirken. Bei Markus Lanz sprechen die beiden Autoren immer wieder vom Kopfkino, das ihnen wichtig ist. Wert wird dabei auch auf die “Entspannung” nach der Spannung geachtet, denn es ist wahrlich nichts für schwache Gemüter. Vor allem die Szenen “in der Hölle” lassen selbst geübte Leser aus diesem Genre der Atem stocken. Jedoch lassen die beiden Autoren den Leser nicht dauerhaft in dieser Stimmung und lockern an anderen Stellen die Story wieder auf um es “erträglich” zu machen. Fast schon beiläufig werden gesellschaftskritische Bemerkungen eingebaut. Wie Social Communitys, im Beruf weiterhin tätige Vorbestrafte und selbst das Dschungelcamp findet seinen Platz.

Die Autoren bleiben dem Leser aber keine Antwort auf beide Storys schuldig und verbinden die Vergangenheit gekonnt mit dem laufenden Geschehen, um dem Leser die Antworten zu liefern. Aber es sollten keine vorzeitigen Schlüsse gezogen werden, der Täter scheint zwar schon früh klar zu sein, aber das Autorenduo hat immer noch Überraschungen in petto. Denn erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. So auch das Finale.

Immer wieder und bis zum Schluss wird das Strafmaß, womit das Buch bereits seine Einleitung erhalten hat und am Ende erneut auftaucht, kritisch hinterfragt. Am Ende gab es neben 2 weiteren Artikeln noch ein Abschlussschmankerl in Form eines rechtsmedizinischen Berichts. Kreativ und individuell.

Info Sebastian Fitzek/Michael Tsokos: “Abgeschnitten”, Droemer Verlag, 400 Seiten, 19,99 Euro, ISBN: 978-3426199268

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