Ausgezeichnet: Die Kunst der letzten Stunde

Von Linda Niemann


Malu und Markus Poschen sind ein erfolgreiches Autorenpaar. Wenn ihre Bücher im Ausland die Bestseller-Listen stürmen, sind sie doch in ihrer Eifelheimat nahezu unbekannt. Als Markus beim Nordic-Walking buchstäblich über den schwerverletzten Lokalpolitiker Jean-Marie Caspers stolpert, ist es mit der Eifeler Beschaulichkeit vorbei. Caspers ist einer der Protagonisten im erbittert geführten “Eifeler Schulstreit”, bei dem die etablierten Schulen der Nordeifel um die immer geringer werdende Anzahl von Schülern ringen. Wurde Caspers von den Gegnern des neuen Schulprojekts attackiert, für das er sich im Gemeinderat stark macht? Was ist dran an den Gerüchten über eine Beziehung zu einer Schülerin des Gymnasiums, an dem Caspers als Kunstlehrer arbeitet? Die Polizei nimmt schon bald einen Schüler unter dringendem Tatverdacht fest, doch die Poschens forschen weiter – jeder in eine andere Richtung. Und ganz unerwartet schlägt der Täter ein weiteres Mal zu. Doch diesmal kostet es in Menschenleben.



Ich war überrascht. Das muss ich sagen. Zuerst dachte ich… “Hossa.. wo bist du nun gelandet:” Na klar in der Eifel… Ich muss zugeben als Niedersachse hatte ich ab und an meine Probleme mit dem Dialekt der zuweilen benutzt wird. Diese Teile habe ich dann etwas schneller gelesen.
Und nun noch einmal zu dem Punkt: Ich war überrascht. Ja, definitiv denn die Geschichte entwickelt sich erst ganz anders als man es erwartet. Mir neu sind die unterschiedlichen Perspektiven, welche ich sehr gut gelöst finde. Wir haben immer die Sichtweise Malu’s und die Sichtweise Markus’ und dann immer mal wieder Zwischenkapitel, bei denen wir nicht immer wissen, aus wessen Sicht sie geschrieben sind.
Bei den Sichtweisen von Markus und Malu Poschen muss ich sagen… ich habe sehr oft geschmunzelt. Das Wahrnehmen von Mann und Frau zu unterschiedlichen Themen ist wunderbar beschrieben und es ist schön zu lesen, dass die alltäglichen Probleme im Haushalt tatsächlich nicht nur mir passieren. Und das die Kommunikation manchmal etwas schief geht.
Die Kapitel lassen sich flüssig lesen, gestockt habe ich nur zwischendrin als ich ein paar kleinere Probleme mit der Zuordnung der Charaktere hatte. Aber gut, ich habe schnell wieder in den Fluss gefunden und konnte das Buch rasch beenden. Die Wende zum Schluss ist sehr überraschend – mit diesem Motiv hätte ich wahrlich nicht gerechnet und es wirft noch einen ganz anderen Blickpunkt auf die beschauliche Heimatidylle in der Eifel.
Alles in allem ein lesenswerter Roman, der meines Erachtens zu Recht den Jacques-Berndorf-Preis verliehen bekommen hat.
Info Rosa & Thorsten Wirtz: “Die Kunst der letzten Stunde”, KBV-Verlag, 240 Seiten, 9,50 Euro, ISBN: 978-3-942446-68-6

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>