Autor der Woche: David Gray

David Gray ist Autor von verschiedenen Krimis (u.a. “Der Preis“), die als Kindle eBook und bei Epubli erschienen sind. Seine Freizeit verbringt er gerne mit Segeln und Bergsteigen, beruflich ist er als Filmkritiker tätig.

Wir haben mit David über sich und Krimis gesprochen.

Krimizeitschrift.de Wie kamen Sie zum Krimi und seit wann schreiben Sie?

David Gray Ich schreibe professionell für Zeitungen und Webseiten seit über 15 Jahren. Der erste Hundertmarkschein, den ich mit einem eigenen Text verdiente, liegt als Glücksbringer immer noch in meiner Schreibtischschublade. Der Krimi ist das natürliche Genrehabitat für Krimivielleser, nehme ich an. Und ich war von meinen allerersten Leseerlebnissen an ein extremer Vielleser. Daher war es keine Überraschung, dass mein erster größerer Schreibversuch als späterer Krimiautor – eine Piratengeschichte war, mit deutlichen Anleihen bei „Robinson Crusoe“ und „Die Schatzinsel“.

Krimizeitschrift.de Was ist das besondere am Krimigenre?

David Gray Die Grundkonstruktion des Krimis, nämlich die Suche, entweder nach Tätern oder der Lösung eines spezifischen Rätsels, bietet dem Autor die beste Möglichkeit seine Protagonisten (von ganz normalen Leuten, wie unter anderem mir selbst, gerne auch „Romanhelden“ genannt) glaubwürdig in sämtlichen Schichten einer Gesellschaft agieren zu lassen.
Außerdem erlaubt diese simple Konstruktion dem Autor eine schier unbegrenzte Anzahl von zusätzlichen Handlungsvariablen.
Wenn man mich allerdings nach dem so lang andauernden Erfolg des Krimigenres fragt, dann antworte ich, dass gute Krimis gleich drei Grundzüge der conditio humana ansprechen, nämlich erstens unseren Hang zum Voyeurismus, zum zweiten unsere Neugierde und zum dritten, den immer noch tief in unserem Unterbewusstsein verankerten Jagdtrieb. Wenn ein Krimi seinen Namen auch verdient, ist da schließlich immer einer, der irgendeinen anderen jagt.

Krimizeitschrift.de Wann ist die beste Zeit zu schreiben?

Ich schreibe sowohl nachts als auch tagsüber. Das hängt für mich eher von dem jeweiligen Projekt ab. Nachts bin ich zynischer und – vermutlich seltsam, aber dennoch wahr – in Maßen auch witziger in meinem Schreiben. Was die Zeitläufe angeht, da sind die bösen Zeiten selbstverständlich die produktivsten für Literaten, für Künstler überhaupt.

Krimizeitschrift.de Erinnern Sie sich noch an das erste Buch, das Sie gelesen haben? Welches war das und wann haben Sie es gelesen?

David Gray Ich bin nicht sicher. Im Lesen war ich ein Spätentwickler, wirklich beherrscht habe ich es erst mit neun Jahren. Dann allerdings gab es kein Halten mehr – nichts Gedrucktes war noch sicher vor mir. Ich erinnere mich noch sehr gut an den ersten Krimi, den ich las. Das war „Der Hund von Baskerville“, Arthur Conan Doyles Klassiker, den ich mir aus dem Zimmer meiner älteren Schwester stehlen musste, da sie das Buch freiwillig nicht herausgeben wollte. Soviel zu krimineller Energie unter Krimiautoren.

Krimizeitschrift.de Was ist heute Ihr Lieblingsbuch?

David Gray Ich habe kein Lieblingsbuch im eigentlichen Sinne. Obwohl ich J.M. Coetzee, Michael Ondaatje, Patricia Highsmith und Margaret Atwood sehr verehre. Der beste und einflussreichste lebende Krimiautor ist James Ellroy. Sein Verdienst liegt vor allem darin, für das Krimigenre getan zu haben, was Stephen King fürs Gothic- bzw. Horrorgenre gelang: ein in der Popkultur fast schon überstrapaziertes Genre noch einmal auf ein glaubwürdigeres, weil vielschichtigeres Level gehoben zu haben. Mit sehr, sehr wenigen Ausnahmen werden die derzeit so angesagten Krimischreiber in zwanzig, dreißig Jahren nur noch für literarische Fußnoten taugen, während man Ellroy dann zu recht als modernen Klassiker feiern wird. Genauso, wie man es ja jetzt schon – übrigens nicht weniger verdient und noch keine zwanzig Jahre nach ihrem Tod – mit Patricia Highsmith tut.

Krimizeitschrift.de Haben Sie schon einmal eine Waffe in der Hand gehabt?

David Gray Ich habe jeden Tag Umgang mit gefährlichen Waffen. Gläser, Teller, Löffel, Socken,
Schals, Mützen, Plastikbeutel – nahezu jeder Gegenstand des täglichen Lebens kann ja in den richtigen (oder besser: falschen) Händen zur tödlichen Waffe werden. Übrigens auch Bücher. Doch da ich annehme, dass sich die Frage vor allem auf Schusswaffen bezieht, auch in diesem Sinne lautet die Antwort: Ja. Ich schieße bei Gelegenheit in verschiedenen Schützenclubs. Wobei meine Trefferrate mangels entsprechenden Trainings in den letzten Jahren zunehmend lausiger ausfiel. In meiner Jungend war ich mal ein ganz annehmbarer Boxer.

Krimizeitschrift.de Arbeiten Sie gerade an einem Buchprojekt?

Ja, an drei. Einem großen historischen Krimi namens „Spielt süßer den Tod“ (groß im Sinne von Seitenanzahl, nicht literarisch intellektueller Leistung). Und zwei kleineren Sachen.

Vielen Dank für das Interview, Herr Gray! Wir wünschen Ihnen weiterhin viel Erfolg!

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