Das schwarze Korps – Kriegswirren in feinen Kreisen

Noch herrschen deutsche SS und französische Gestapo über die Stadt. Aber man kann schon spüren, wie der Wind sich dreht. Besatzer und Kollaborateure setzen alles daran, ihre Schäfchen ins Trockene zu bringen. Im Salon der schönen Dora Belle trifft sich die Führung von SS und Wehrmacht mit Vertretern von Industrie, Finanzwelt und Kultur: Gemauschel, Delikatessen, Champagner, Sex. Inspecteur Domecq, Kommissar der Pariser Sittenpolizei, muss jetzt sehr geschickt lavieren. Denn nicht nur militärisch steht die entscheidende Schlacht bevor …

Zehn Wochen liegen zwischen der Landung der Alliierten und der Befreiung von Paris. Manottis furioser historischer Thriller offenbart Monster und Helden, Verlierer, Davongekommene und jene, die unweigerlich immer zu den Gewinnern gehören.

Die französische Autorin Dominique Manotti nimmt den Leser mit auf eine Zeitreise ins das von Deutschen besetzte Paris im Jahre 1944. Und obschon überall auf der Welt Krieg generell mit Hunger, Elend und Armut assoziiert wird, feiert sich in diesen Tagen die feine Gesellschaft abseits des allgemeinen Leids selbst – mit viel Alkohol, üppigem Essen, wildem Sex. Doch die Niederlage der Deutschen rückt seit der Landung der Alliierten am 6. Juni 1944 Tag für Tag näher. Ein jeder muss seine Schäfchen ins Trockene bringen. Und auch hier, im Paris der Oberschicht, geht es letztlich ausschließlich um Leben und Tod…

„Das schwarze Korps“ ist vor allem eines: Keine leichte Kost! Es fließt viel Blut und ungehemmte Brutalität ist an der Tagesordnung. Mitunter bleibt einem beim Lesen vor Entsetzen der Mund offen stehen. Der Erzählstil von Madame Manotti spiegelt die Wirren des Krieges eins zu eins wider: Unruhig und unstet, rastlos, mit Sätzen, die sich vor lauter Aufzählungen über viele Zeilen erstrecken.

Nein, zum bloßen Abschalten ist dieses Buch in keinster Weise geeignet. Hochkonzentriert muss man bei den verschiedenen Erzählsträngen und den zahllosen Charakteren, die überdies oft die Seiten wechseln, dem roten Faden hinterherhecheln. Unglaublich, dass die Autorin so viele verschiedene Ereignisse, Figuren und Geschichten auf nur 280 Seiten presst. Sie hätte mit all dem problemlos mehrere Bücher füllen können.

Mein Fazit nach der Lektüre, die mich zwar einerseits fasziniert hat, aber der ich auf Grund der „Überladung“ andererseits recht kritisch gegenüberstehe, lautet deshalb: Weniger ist manchmal mehr!

Info
Dominique Manotti: „Das schwarze Korps“, Ariadne Krimi, 280 Seiten, 17,90 Euro, ISBN: 978-3867542067

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