Das zerbrochene Fenster – Vielseitiger Thriller mit Tiefgang

Schneechaos in Schottland. Auf einem Landsitz wird die Witwe des kürzlich verstorbenen Lord Darney gefunden – ermordet. Bei der Polizei meldet sich eine Frau, die behauptet, ihr Freund Sean habe die Tat begangen. Doch die Ermittler finden bald heraus: Sean Butler ist vor sieben Jahren verschwunden, sein Tod soll demnächst offiziell erklärt werden. Wieso behauptet seine Freundin, er sei der Mörder? Als die Polizei sie zu Hause aufsucht, ist die junge Frau spurlos verschwunden …

Auf den ersten Blick haben die Geschichten von Philippa Murray und Cedric Darney nichts gemeinsam – bis auf die Ausnahme, dass beide aus gut betuchten Familien stammen. Philippa sucht verzweifelt nach ihrem Freund Sean, der nach einem Streit mit ihr spurlos verschwunden ist. Der junge Darney, Sohn eines schwerreichen erstorbenen Lords, findet die grausam zugerichtete Leiche seiner verhassten Stiefmutter Lillian, doch es gibt keinen Hinweis auf den Täter. Da schon der alte Lord ermordet wurde, keimt in Cedric nun die schlimme Befürchtung, dass er der nächste auf der Liste des Mörders ist. Ob er mit seiner Vermutung richtig liegt und wie die Schicksale von Philippa und Darney junior miteinander verbunden sind, erfährt man in Zoë Becks im August 2012 erschienenen Thriller „Das zerbrochene Fenster“.

Die 1975 geborene Autorin hat mit dem winterlichen Schottland einen interessanten Schauplatz für ihre Geschichte gewählt. Die beeindruckende Atmosphäre hüllt den Leser sofort ein. Zoë Beck hat außerdem die Gabe, die Story spannend, tiefgründig und authentisch zu erzählen. Nie wirken die Dialoge gekünstelt, an keiner einzigen Stelle angweilt man sich. Sie zeigt mit viel Tiefgang die Brüche auf, die es in jeder Familie gibt – auch (und vor allem) die wohlhabenden Familien Darney und Murray bilden hier keine Ausnahme. Mit Fingerspitzengefühl und sehr gut recherchiert beschreibt die Autorin die Schattenseiten der Psyche ihrer Protagonisten. Da spielen Depressionen, Kaufsucht und Angsterkrankungen eine nicht unwesentliche Rolle.

Die Geschichte wird aus der jeweiligen Sichtweise mehrerer Personen erzählt. Die damit verbundenen Zeitsprünge sind allerdings kein Hindernis, denn Zoë Beck gibt stets den roten Faden vor, sodass sich der Leser in der Vielfalt der Geschehnisse problemlos zurechtfindet. „Das zerbrochene Fenster“ ist ein ganz besonderer Thriller, der nicht auf Bergen von Leichen und blutigen Details basiert, aber deshalb nicht weniger spannend ist.

Kurzum: Eine unglaublich vielschichtige Erzählung, die lange nachhallt und die Heißhunger auf die anderen Bücher der äußerst begabten Autorin verursacht.

Info Zoë Beck: “Das zerbrochene Fenster”, Luebbe, 368 Seiten, 8,99 Euro, ISBN 978-3404160464

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