Die Konkurrenz aus dem Internet wurde zu groß

Das Online-Händler wie Amazon und Co eine Bedrohung für kleine Buchhandlungen darstellen, ist zwar vielen Menschen klar, sie kaufen aber trotzdem im Internet. Das ist ja auch schön einfach und man muss sich nicht vor die Tür bewegen. Eine Konsequenz daraus zeigt sich am Beispiel der Krimibuchhandlung UNDER-COVER in Stuttgart.

Krimizeitschrift.de Frau Hansen, die UNDER-COVER Krimibuchhandlung schließt Ende März. Warum?

Juliane Hansen Aus wirtschaftlichen Gründen. Die Umsatzrückgänge der letzten Jahre sind derart, dass ich nicht mehr wirtschaftlich arbeiten kann. Ich muss meinen Lebensunterhalt verdienen – das klappt nicht mehr mit meiner Spezialbuchhandlung.

Krimizeitschrift.de Sie haben “Under-Cover” vor 14 Jahren gegründet. Damals war an so etwas noch nicht zu denken. Wie war die Entwicklung in den letzten Jahren?

Juliane Hansen Ich habe UNDER-COVER vor 14 Jahren gegründet. Einige Jahre ging es bergauf mit meinem Geschäft. Meine Umsätze stiegen, ich gewann Kunden und etablierte mein Geschäft erfolgreich als Veranstaltungsort. Dann ebbte das Wachstum ab, die Umsätze stagnierten und begannen erst langsam, in den letzten Jahren jedoch immer deutlicher zu sinken.

Krimizeitschrift.de Woran liegt das?

Juliane Hansen Die Gründe dafür sehe in einer Reihe von Faktoren. Mein zwar Zentrums nahes, aber in der Wahrnehmung von Kunden abgelegenes Stadtviertel geriet immer mehr ins Abseits, über längere Zeiten waren wir, wie auch jetzt wieder, von Baustellen umzingelt. Die Folgen sind Einschränkungen bezüglich Zugängen, Fahrt- und Parkmöglichkeiten. Meine Gewerbekollegen und ich haben große Anstrengungen unternommen, das Viertel attraktiver zu machen und auch von städtischer Seite Unterstützung gefordert – leider alles vergeblich. Ein weiterer sehr wesentlicher Faktor ist das sich stark verändernde Einkaufsverhalten, das immer mehr den Onlinehandel bevorzugt. Das gilt übrigens Branchen übergreifend und nicht nur für den Buchhandel, wie ich aus vielen Gesprächen weiß. Und die meisten Kunden nutzen nicht die Online-Plattformen von Geschäften in ihrer Stadt oder Region. Fast jede Buchhandlung hat einen Web-Shop und liefert weder teurer noch langsamer als der umsatzstarke Hauptkonkurrent mit Steuersitz in Luxemburg.

Krimizeitschrift.de Legen die Leute auf eine gute Beratung beim Buchkauf keinen Wert mehr oder ist es schlicht und einfach die Bequemlichkeit, warum kleinen Buchhandlungen die Kunden davonlaufen?

Juliane Hansen Den Wunsch nach Beratung gibt es durchaus, ich habe auch treue Stammkunden, die immer wieder kommen. Aber sie reichen eben nicht mehr aus. Und nur von der Beratung kann ich nicht leben. Im vergangenen Jahr hatte ich einige telefonische und auch Email-Anfragen mit Beratungswünschen – die nicht mit Kaufwünschen zusammenhingen. Es geschieht immer öfter, dass Kunden in meiner Gegenwart oder auch mir direkt erzählen, welche Titel sie bereits bestellt haben und wo. Und wenn im Anschluss an eine fordernde Beratung zwei Kundinnen, wie neulich wieder geschehen, zusammenstehen und eine dann sagt:
“Du, ich bestell’ mir das einfach morgen bei Amazon”, dann wächst in meinem Krimibuchhändlerinnenherz der Wunsch nach einem Schnellfeuergewehr. Eine schöne Atmosphäre und gute Beratung sind nicht mehr genug Anreiz, ein Ladengeschäft
frequentieren zu wollen und dort auch einzukaufen. Ich will hier nicht den Onlinehandel verteufeln, wohlgemerkt, oder Technologieschelte betreiben. Diese Entwicklung ist
nicht rückgängig zu machen und hat ja auch viele Vorteile. Ich habe es jedoch satt, mir anhören zu müssen, dass es ja gar keine schönen Läden (wahlweise: gute Fachgeschäfte) mehr gebe – von Leuten, die nicht in diesen Läden eingekauft haben und nur ihr Aussterben bejammern.

Krimizeitschrift.de Wie wird die Entwicklung am Buchmarkt weitergehen?

Juliane Hansen Ich bin keine Prophetin und dankbar dafür. Ich hoffe, dass die vielen kreativen Kollegen erfolgreich der Kundenabwanderung entgegenwirken und Aktionen wie z.B. die wunderbare “Buy local”-Initiative bewusstes Kaufverhalten fördern können. Denn sonst steht einer weiteren Verödung unserer Innenstädte nichts mehr im Wege.

Herzlichen Dank für das Interview, Frau Hansen! Wir bedauern, das Ihre Buchhandlung schließen muss und hoffen, dass sich der ein oder andere Leser in Zukunft zweimal überlegt, ob er online bestellt oder das Buch im lokalen Buchlladen kauft.

2 comments
  1. Anonymous

    Wenn ich ein Buch bestelle,habe ich das eigentlich immer über eine Buchhandlung gemacht.Ich bevorzuge noch nach wievor das persönliche Gespräch und das nicht nur bei Buchhändler.

    Liebe Grüße Gabrriele R.

    • Nicolas Sender

      Das ist wie ich finde auch die beste Methode. Man unterstützt die Läden vor Ort und hat selbst durch die individuelle Beratung auch einen Gewinn.

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