Die Krimi-Highlights 2012: Fünf von Ursula Poznanski

Von Gustav Weigel

Ursula Poznanski lädt ein auf eine Reise nach Österreich. Ein Land, in dem man das Verbrechen nicht vermutet. Zu klischeehaft ist das Denken, in welchem vornehmlich Berge, Wiener Sängerknaben und Mozartkugeln eine Rolle spielen. Aktuell und mit der Zeit? Nicht in Österreich. Maximal noch Falco – aber der ist ja nun auch schon nicht mehr unter uns. Die Autorin widerlegt gekonnt. Auch in Österreich gibt es starke Frauen, gibt es Technik und die modernen Sportarten haben ebenso Einzug gehalten.

Geocaching – die Schnitzeljagd von heute. In diese Welt setzte Frau Poznanski eine Tragödie, welche sich erst nach und nach offenbart. Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Trickreiche Lösungen zeigen das gesamte Ausmaß im unvermeidlichen Finale. Sie treibt es auf die Spitze. Wie ein Strom beginnt der Thriller zunächst mit einer nebulösen Sequenz der Geschichte und steigert sich über die erste Leiche zu einem munteren Fließgewässer. Von da an gibt es kein Halten mehr. Der Strom schwillt an und reißt den Leser mit sich. Wilder und unbändiger wird die Geschichte, fesselnd und aufregend. Weit ab von amerikanischem Kitsch und irrationalem Denken. Ursula Poznanski hat es verdient, mit den großen Autorinnen in einem Satz genannt zu werden. Die Story selbst kann das Leben nicht besser schreiben. Opfer, die zu Tätern werden und Täter, die die Opfer sind. Begreiflich und auf den zweiten Blick gar nicht mehr erstaunlich. Keine Utopien, sondern feine Raffinessen. Bis zum Schluss sind alle Lösungen denkbar und auch wenn die Vorahnung die Spannung steigert, so ist der Leser doch sehr überrascht, als es dann soweit ist. Durchdacht und logisch. Eine Protagonistin, die jeder versteht und die menschlich handelt. Vergeblich sucht man die unerschrockene Ermittlerin aus den USA, welche des Nachts und völlig allein dem Mörder Fallen stellt. Die Kollegen sind stets verschwunden. Telefone haben keinen Empfang und meist ist es dunkel und regnerisch, obwohl es eben noch Mittagszeit war. Bei Ursula Poznanski gibt es so etwas nicht. Nachvollziehbarkeit, Realität und starke Bilder. Bilder, die sie so exakt zeichnet, dass sie dem Leser förmlich ins Auge springen. Sie überträgt Gefühle und der Lesende leidet und lacht mit Ermittlerin Kaspary. Der unliebsame Kollege, die eigenen Kinder und ein geheimnisvoller Owner – wie die Polizisten Florin und Beatrice den Täter nennen. Zu jeder Figur gibt es ein besonderes Gefühl, welches auf den Leser übergeht. Jeder kann sich in die Geschichte hineinversetzen, da die Personen so herrlich normal sind. Eine Freude, dieses Buch zu lesen mit dem Manko, dass die Kommunikation im eigenen Umfeld verebbt. Denn zur Seite legen kann man das Werk erst nach dem letzten Satz. Bereits dann wünscht sich der Leser jedoch sogleich ein neues Buch und fragt sich, wieso diese talentierte Autorin nicht schon seit Jahren in den Bestsellerlisten vertreten ist.

Fazit: absolut lesenswert

Info
Ursula Poznanski: Fünf, Wunderlich, 384 Seiten, 14,95 Euro, ISBN: 978-3805250313

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