Elke Schwab im Gespräch über Regionalkrimis

Regionalkrimis erfreuen sich zur Zeit großer Beliebtheit. Nachdem ihr uns im Rahmen einer Krimi-Verlosung eure Meinungen zum Thema geschickt hattet, haben wir mal mit einer Autorin, die Regionalkrimis schreibt, gesprochen. Elke Schwabs Krimis spielen im Saarland und sind dort äußerst erfolgreich.

Krimizeitschrift.de Frau Schwab, was macht den Regionalkrimi aus?

Elke Schwab Regionalkrimis haben den Vorteil, dass sich die Leser aus der betreffenden Region gut auskennen, sich die Orte genau vorstellen können und somit auch die Handlung im Buch besser miterleben können. Das ist ein häufiger Grund für Krimileser, Regionalkrimis den Krimis aus anderen Ländern vorzuziehen. Hinzu kommen Krimi-Reihen, wie ich sie schreibe. Das bedeutet, dass meine ermittelnden Kommissare immer dieselben sind – nur mit den Jahren älter werden und sich weiterentwickeln. Die Leser verfolgen gerne, was aus einzelnen Figuren im Laufe der Zeit wird, als seien es reale Personen.

Krimizeitschrift.de Macht viel Lokalkolorit einen Krimi erfolgreich?

Elke Schwab Leser mögen es nach meinen Erfahrungen am liebsten, wenn sie an einen Tatort aus einem Buch fahren und sich vor Ort umsehen können, wie authentisch die Handlung an die Umgebung angepasst ist. Das ist für mich ein Grund, zum Beispiel Tatortwanderungen nach meinen Krimis zu veranstalten. Das bedeutet, dass ich mit einer Gruppe von Interessierten an einem vereinbarten Treffpunkt loswandere und an bestimmten Punkten, die im Buch eine Rolle spielen, anhalte und dort die entsprechende Szene vorlese. Solche Veranstaltungen sind immer gut besucht – sogar bei schlechtem Wetter!

Krimizeitschrift.de Wieso entscheide ich mich als Autor für einen Regionalkrimi?

Elke Schwab Als ich angefangen habe, Krimis zu schreiben, habe ich automatisch die Handlung im Saarland spielen lassen, und zwar genau dort, wo ich mich am besten auskannte. Das kam mir besonders authentisch vor, weil ich neben der Umgebung auch die Mentalität meiner Mitmenschen am besten kenne. So bekomme ich immer wieder Feedbacks, wie gut bestimmte Protagonisten oder Orte getroffen seien, was die Beliebtheit meiner Krimis erhöht. Deshalb bleibe ich auch beim Regionalkrimi. Es macht zudem sehr viel Spaß, die Krimis in dem kleinen Bundesland Saarland spielen zu lassen, in dem es normalerweise ruhige, gemütlich – sogar fast langweilig zugeht. So kommt mehr Spannung auf!

Krimizeitschrift.de Welche besonderen Möglichkeiten bietet der Regionalkrimi?

Elke Schwab Im Saarland habe ich dadurch oft das Glück, dass sich Radio oder Fernsehen für mich und meine Krimis interessieren. So werden gelegentlich Berichte über mein Leben und meine Arbeit mit meinen Büchern gedreht, wobei wir auch mit einem Kamerateam an Handlungsorte aus meinen Büchern fahren. Das Interesse ist groß, weil sich auch die Saarländischen Medien angesprochen fühlen.

Vielen Dank für das Interview, Frau Schwab!

Und wenn ihr Tipps für uns habt, welche Regionalkrimis besonders lesenswert sind, dann schreibt uns das doch unten in die Kommentare oder mailt uns an kontakt@krimizeitschrift.de. Wir geben die Tipps dann an alle weiter.

7 comments
  1. Wie könnte es anders sein. Natürlich hat sich doch noch ein Tippfehler eingeschlichen. Ich denke, jeder weiß dass es Regionalkrimis heißen muss, nich Reionalkrimis.

  2. Ich schreibe sogenannte Reionalkrimis aus zwei Gründen:

    1. Eine Buchhändlerin sagte mir, dass sie ihren Laden zumachen könne, wenn es keine Regionalkrimis gäbe. Das seien die einzigen Bücher, die sie über einen längeren Zeitraum in großer Stückzahl verkaufen kann. Vorausgesetzt also, dass das Buch etwas taugt, ist zumindest ein regionaler Erfolg sicher.

    2. Ich kann meine Geschichten nur dort spielen lassen, wo ich mich auskenne. Nicht nur vom Örtlichen her, sondern auch, was die Mentalität betrifft. Ich kann meinen Hauptprotagonisten nicht aus Bayern oder Südafrika holen. Die dargestellten Charaktere müssen authentisch sein. Ich glaube, ich habe in meinen sechs Krimis noch nie einen Straßennamen genannt. Das ist auch völlig unerheblich. Natürlich müssen die Landschaften und Orte beschrieben werden, damit der Leser weiß, wie es dort aussieht. Das gilt auch für Ausflüge, die ich in meinen Büchern mache, z.B. Schleswig-Holstein, Dänemark, Kanada. Aber das A&O, was ein gutes Buch ausmacht, sind Sprache, tolle Dialoge, interessante Protagonisten, ein intensiver Spannungsbogen, Humor – was auch immer. Ob man meine Bücher am Ende als Regionalkrimis bezeichnet, ist mir worscht, nicht wurst oder wurscht, sondern worscht, wie man im Harz sagt. Regionalkrimi hin, New Orleans- oder Ystad-Krimis her: Das Ziel eines Buches muss es sein, die Leser gut zu unterhalten. Die Leserzuschriften, die mich erreichen, kommen auch keineswegs nur aus dem Harz, sondern aus dem gesamten deutschsprachigen Bereich, auch aus fernen Ländern, wo es Leute gibt, die deutsche Bücher lesen. Und alle bitten mich, weiter solche Bücher zu schreiben. Niemand kam bisher auf die Idee, mir zu sagen, ich soll doch mal ein Buch in einer anderen Region spielen lassen. Also, wenn man in Deutschland für alles ein Etikett braucht, bitte sehr. Ich kennen nur den Unterschied zwischen gut und schlecht, Unterhaltung und Langeweile. Nach diesen Kategorien mag auch jeder Leser meine Bücher beurteilen.

  3. Leider habe ich als deutsche Krimiautorin die Erfahrung gemacht, dass ich nur über das Genre Regionalkrimi überhaupt eine Chance bekam, mal ein Buch zu veröffentlichen

    Natürlich…hätte ich mir denken können ^^ Ich nehme an das verdanken wir zum Teil dem Erfolg von Kluftinger & Berndorf die ja am Anfang dieser Regionalkrimi-Schwämme standen. (Wobei ich auch mal ein Interview mit Kobr/Klüpfl gelesen haben in dem sie selbst meinten sie wären mit dem Label ‘Regionalkrimi’ nicht so 100%ig glücklich)
    Schon interessant wie lange das jetzt schon anhält (YA-Romane haben im ähnlichen Zeitraum ihren Fokus ja schon von glitzernden Vampiren auf düster Dystopien gewechselt ^^).

    Und ja, es gibt schon so ein paar Regio-Krimis die ich mag. Neben dem schon erwähnten Helmut Vorndran mag ich auch die Katinka Palfy -Krimis (auch Bamberg…in der Stadt muss was im Trinkwasser sein *g*) und Jörg Maurer ist zumindest als Hörbuch sehr unterhaltsam. Aber (zumindest bei Vorndran und Palfy) finde ich auch, dass der Fokus nicht so auf dem ‘Regional’ ist. Bamberg ist eher ein ‘stiller Protagonist’, wie Morses Oxford. Es ist schon schwer vorzustellen, dass sie Bücher anderswo spielen könnten aber die Autoren erwähnen auch nicht in jedem zweiten Kapitel den Bamberger Reiter und den Rosengarten.
    Im Gegensatz zu einem Aschaffenburg-Krimi den ich kürzlich gelesen habe in dem der Name jeder Straße erwähnt wurde, durch die der Kommisar gelaufen ist und trotzdem hatte ich das Gefühl es hätte genausogut in Düsseldorf oder irgendeinem erfundenen Ort im Nirgendwo spielen können.

    Naja…all das läuft doch nur drauf raus, dass es gute und schlechte Krimis gibt, wie in jedem anderen Genre auch.

    • Hallo Aoife!
      Den Boom der Regionalkrimis verdanken wir Berndorf. Kluftinger kam erst viele Jahre später auf den Markt, als der Regionalkrimi schon lange Einzug in Deutschland gehalten hatte – nämlich 2003. Jacques Berndorf hingegen schon 1989. Und mein erster Krimi schon 2000 und war leider kein Erfolg. Aber ich bin dran geblieben und dafür bin ich jetzt froh. Denn so nach und nach interessieren sich auch Leser außerhalb meines kleinen Saarlandes für meine Krimis. Ich habe nämlich zwei Reihen am Start: Einmal mit mehr Lokalkolorit, dass die Einheimischen sich sofort auskennen. Und eine andere Reihe, deren Krimis sozusagen überall spielen könnten -aber doch im Saarland angesiedelt sind, weil ich mich dort auskenne.
      Liebe Grüße

  4. Ich frag mich immer wieder warum nur wir Deutschen Regionalkrimis als eigenes Genre haben. Donna Leon schreibt Venedig-Krimis, Inspector Morse könnte nur in Oxford ermitteln aber trotzdem würde man die beiden Autoren nie zwischen Berndorf und Kobr/Klüpfl finden sondern bei den anderen ‘ernstzunehmenden’ Krimis.
    Warum sind deutsche Krimis, die an einem bestimmten Ort spielen anders als die ausländischer Autoren die teilweise viel fester im Handlungsort verwurzelt sind als so mancher dt. Regionalkrimi? (nein, dauernd Straßennamen des Ortes aufzuzählen und zu sagen welche Sehenswürdigkeit man sieht macht noch keinen Regionalkrimi).

    Für mich gibts einfach gute Krimis und schlechte…und Fakt ist, dass ich noch nie in Ystad war und Wallander mag, Oxford und Bamberg ein bisschen kenne und Morse und Haderlein (Helmut Vorndran) liebe und aus der Gegend um Aschaffenburg komme und in Heidelberg studiere und so ziemlich alle Krimis die ich bisher gelesen habe die in den Gegenden spielen furchtbar fand weil die Charaktere blass bis unsympathisch waren, die Fälle durchschaubar und die Autoren vielleicht besser Reiseführer geschrieben hätten weil sich Teile der Bücher tatsächlich so gelesen haben…

    (Dieser Kommentar soll kein Angriff auf die Autorin sein, von der ich noch nichts gelesen habe sondern eher ein Diskussionsanstoß zum Thema Regionalkrimis an sich)

    • Hallo Aoife!
      Ich gebe dir Recht, wenn du sagst, dass weder Wallander noch Donna Leon in die Regional-Krimi-Schublade gesteckt werden. Leider habe ich als deutsche Krimiautorin die Erfahrung gemacht, dass ich nur über das Genre Regionalkrimi überhaupt eine Chance bekam, mal ein Buch zu veröffentlichen. Deutsche Verlage bevorzugen eben nordische, englische, amerikanische und vielleicht auch venezianische Krimis vor den deutschen, weshalb wir deutsche Krimiautoren es schwer haben. Da leider auch die Lesegewohnheiten durch die Verlage schon seit vielen Jahren eingespielt sind, haben wir nochmal ein Quäntchen mehr Arbeit, um auf uns aufmerksam zu machen. Viele lesen immer wieder von Autoren, die sie sowieso schon kennen. Da ist ihnen der Versuch, einen neuen, unbekannten Autor kennenzulernen einfach zu riskant. Aber so nach und nach ändert sich etwas daran. Durch das Internet haben auch regionale Krimis neue Chancen, deutschlandweit auf sich aufmerksam zu machen.
      Und bin ich mir sicher, dass es unter unseren deutschen (Regional)-Krimis jede Menge echte Perlen gibt :-)

    • Nicolas Sender

      Danke für den Kommentar Aoife! Ich finde den Gedanken sehr interessant. Meine Erfahrungen mit Regionalkrimis sind sehr unterschiedlich. Die Kaiserslautern-Krimis von Bernd Franzinger finde ich schrecklich. Die Heidelberger Wolfgang Burger Geschichten dagegeben gefallen mir teilweise sehr gut.

      Für mich macht es aber wenig Unterschied ob ein Krimi als Regionalkrimi ausgeschrieben ist oder nicht. Es gibt, wie du sagt, gute und schlechte Krimis und alles andere ist für mich eher nebensächlich.

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