Lesetipp: Kommissar Pascha – Ein Fall für Zeki Demirbilek

Von Manuela Hahn

Zeki Demirblek, Münchner Kommissar mit türkischen Wurzeln, wird Leiter der neu eingerichteten Sonderkommission “Migra”. Er soll Verbrechen aufklären, in die Menschen mit Migrationshintergrund involviert sind. Eher lustlos stellt er ein Team zusammen, bestehend aus der Berlinerin Jale Cengiz und Isabel Vierkant, die als Deutsche zwar eigentlich nicht für die Stelle in Frage kommt, aber da sich während ihres Vorstellungsgesprächs eine Leiche gefunden wird und sich die Ereignisse überschlagen, ist sie kurzerhand dabei. Später stößt noch Pius Leiprecht zum Team, trotz seiner unterschwelligen Abneigung gegen Ausländer.

Der Fall an sich ist nicht sonderlich spektakulär, einige Leichen, die mit Reißzwecken das Wort “Teufel” auf die Brust genagelt bekamen, eine junge Frau Gül, die sich in der Öffentlichkeit aufführt wie Paris Hilton und das Geld ihres Vaters, der sein Geld mit dem Döner Imperium Döner Deluxe verdient, mit vollen Händen ausgibt. Schon bald finden die Beamten den Zusammenhang der Morde mit dem Döner Imperium. Mit deutscher Gründlichkeit gehen Zeki und sein Team jeder Spur nach.

So lustlos Zeki Demirblek die Abteilung übernimmt, so voller Freude war der Autor am Schreiben. Locker und leicht beschreibt er seine Protagonisten. Jeden einzelnen konnte ich mir lebhaft vorstellen, Kommisar Pascha zum Beispiel, der Zeugen und Verdächtigen gegenüber absolut deutsch ist, Kollegen aber schon mal zum Kaffee trinken schickt, wenn sie nicht alles mitbekommen müssen. Manchmal reagiert er etwas impulsiv. Sein Privatleben ist nicht ganz unkompliziert. Man freut sich darauf im nächsten Buch weiter zu lesen.

Geschickt verbindet der Autor die türkische Mentalität mit der Deutschen ohne in Klischees abzurutschen.

Isabel und Jale, erweisen sich als fähige Ermittlerinnen, sympathisch und menschlich dürfen sie Fehler machen und sind trotzdem schon bald unverzichtbar im Team. Gott sei Dank verzichtete Su Turhan darauf, unsere Zeit mit deren Zickenkrieg zu verschwenden, der ja gern als Stilmittel eingesetzt wird, wenn zwei Frauen aufeinander treffen.

Als Letzter stößt der Urbayer Pius Leipold, latent Ausländerfeindlich, aber so diszipliniert, dass er sich trotzdem ins Team integriert und sich auch bald sehr wohl fühlt.

Ich habe das Buch sehr gern gelesen. Es war spannend und enthielt einige sehr interessante Wendungen. Der Schreibstil ist locker und unverkrampft. Sehr hilfreich war das kleine Lexikon am Ende, in dem die türkischen Begriffe ins deutsche übersetzt wurden. Auch wenn man den Sinn der Begriffe eigentlich schon beim Lesen versteht, war die genaue Übersetzung das ein oder andere Mal doch hilfreich. Ich freue mich schon auf den nächsten Fall der Sonderkommission Migra!

Info Su Turhan: Kommissar Pascha – Ein Fall für Zeki Demirbilek, Knaur Verlag, 352 Seiten, 8,99 Euro, ISBN: 3-426-51191-6

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