Uferwechsel – für Fans von intelligenten und unblutigen Krimis

Von Manuela Hahn

In einem Waldstück nähe Zürich wird die grausam zugerichtete Leiche eines jungen Mannes gefunden, durch Zufall befindet sich der indisch stämmige Privatdetektiv Vijay zusammen mit einem befreundeten Reporter am Fundort der Leiche, zwar wird er vom zuständigen Staatsanwalt Tobler eindringlich gewarnt, sich auch aus den Ermittlungen herauszuhalten, aber das hindert ihn nicht den Auftrag anzunehmen, den ein anonymer Anrufer ihm am Tag nach dem Leichenfund erteilt. Herauszufinden was genau sich abspielte, wer den jungen Mann tötete und warum.

Im Laufe seiner Ermittlungen ist Vijay davon überzeugt, dass es sich bei dem Toten um einen illegalen Einwanderer handeln muss, der sich im Fahrwerk eines Flugzeuges versteckte, dazu passen die Spuren am Tatort und der Zustand der Leiche, Vijay informiert den Staatsanwalt, der allzu schnell diese Theorie aufnimmt und wenig Anstrengungen unternimmt, eigene Ermittlungen anzustellen.

Als Vijay herausfindet, dass sein Auftraggeber ein Verhältnis mit dem Toten hatte und dieser sich im Züricher Strichermilieu aufhielt, muss er ganz von vorne beginnen.

Unaufgeregt führt uns der Autor Sunil Mann in eine für den Durchschnittsbürger völlig fremde Welt, in eine Welt, in der die Jugend und das Aussehen zählen, in der sich immer noch Menschen verstecken, weil sie anders sind, in der Menschen mit ihrer Sexualität hadern und sogar versuchen, sich therapieren zu lassen, um keine Nachteile für ihr Leben und ihre berufliche Laufbahn zu haben.

Mann lässt seinen Privatdetektiv völlig vorurteilsfrei ermitteln. Die Story an sich ist spannend, es ist interessant zu lesen, wie sich die einzelnen Puzzleteile zu einem stimmigen Bild zusammenfügen. Das Vijay auch mal eine falsche Spur verfolgt, macht ihn zusammen mit den Informationen, dass er nicht sonderlich erfolgreich ist, er laut seiner Mutter so langsam zu einer männlichen alten Jungfer wird und sie deshalb eine Kontaktanzeige für ihn aufgibt, sehr sympathisch. Der Schreibstil ist flüssig, in einer klaren Sprache ohne viel Schnörkel und trotzdem kann sich der Leser ein gutes Bild von den Personen und Örtlichkeiten machen.

Dies war mein erstes Buch von Sunil Mann, mein erster Krimi aus der Schweiz überhaupt und ich muss sagen, er hat mir sehr gefallen, meine Befürchtung, dass er mit zu vielen für mich unbekannten Begriffen aus dem schweizerischen Sprachgebrauch gespickt sein könnte, hat sich nicht erfüllt, einige wenige Begriffe wurden im Anhang erklärt. Ich kann also eine Leseempfehlung für Fans des intelligenten und unblutigen, gespickt mit einer leichten Prise Humor Krimis, aussprechen.

Info Sunil Mann: „Uferwechsel“, Grafit Verlag, 320 Seiten, 10,99 Euro, ISBN: 978-3894254070

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